CAPRI - MUSIK DIE SICH ENTFERNT oder: Die seltsame Reise des Cyrill K.

Experimental-Musik-Spielfilm, 103 Min, 16 mm, Farbe.

Idee, Recherchen, Drehbuch, Regie & Musik-Montage (nach Werken, die auf Capri von bedeutenden Komponisten verschiedenster Stilrichtungen entstanden.)

Darsteller: Miguel Herz - Kestranek, John van Dreelen, Juan Fischer, Uta Cramer 

Kamera & Schnitt: Rüdiger Laske (und Ferry Radax)

Redaktion: Manfred Gräter, WDR. Produktion: TV 2000 Günter Herbertz für WDR.

 

© TV 2000   Uta Cramer, M. Herz-Kestranek                                                                                                   Kameramann Laske, Ferry Radax als  Nietzsche

 

STORY:

Der Komponist ‚Cyrill K.‘ sucht auf der Insel Capri Inspiration, begegnet zwischen Traum & Wirklichkeit bedeutenden Menschen aus 2000 Jahren Capri-Geschichte und wird schließlich von Kaiser Tiberius dem Gott Mitras geopfert.

INHALT:

Emphatischer Orchestersound des deutschen Komponisten Klaus Ogermann, der auch für Hollywoodfilme schreibt. Der Krater des Vesuvs öffnet sich aus der Vogelperspektive. Aus gelben Schwefelwolken erscheinen Wiedergänger, die sich aus ihren Mumienbändern befreien. Ein Geisterzug von Berühmtheiten, deren Leben mit Capri auf tragische Weise verbunden war. Kaiser Tiberius, König Ferdinand II. von Neapel, General Hudson Lowe, Bewacher Napoleons auf St. Helena, der berühmte Dr. Axel Munthe, der Maler Kopisch, vergessener Entdecker der ‚Blauen Grotte‘, der Pompeji-Archäologe Hadrawa, aber auch Adelswaert Graf Fersen, der exzentrische Milliardär aus Schweden, genannt ‚Schnupfbaron‘. Sie alle, Kaiser  Könige, Adelige, Militärs, Maler, Dichter und Komponisten kommen noch einmal aus dem Jenseits zurück, um auf der Insel Capri ihr nächtliches Unwesen zu treiben.

Ihnen wird der allzu neugierige Komponist & Schöngeist ‚Cyrill K.‘ auf seinen Streifzügen über die sagenhafte Insel noch öfters begegnen, immer auf der Suche nach Inspirationen, für seine Symphonie, die aber scheinbar niemals fertig werden wird. Deshalb lässt er sich mit Mächten der Finsternis ein, die ebenfalls auch miteinander noch alte Streitereien auszufechten haben.

Der englische Schriftsteller Norman Douglas, bekannt durch den Schlüssel-Roman über Capri:‚Südwind‘, berichtet dem verkrampften Cyrill von allem - und noch mehr. Dieser gewöhnt sich allmählich zumindest an das mitternächtliche Klavierkonzert seines Zimmernachbarn, eines Mendelsohn Bartholdy, das aber der Nachtportier des alten ‚Hotel Pagano‘ partout nicht zu hören scheint. Zwei reiche lesbische Texanerinnen locken den eleganten Schöngeist in ihr ‚Villa Toricelli‘ zum Klavierspielen und einem ‚Danse macabre. Ihre tödlichen Avençen erträgt Cyrill scheinbar ebenso gelassen, wie den lästige Sachsen Kopisch, der sich um seinen Entdeckerruhm gebrachten sieht, aber auf den Massentourismus schimpft, den er selbst mit der ‚Blauen Grotte‘ verschuldet hat. Lenin, von den Fischern ‚Signore Drindrin‘ genannt, war ebenso hier, wie der Hamburger Maler Allers, der es mit den ‚schönen Jungs‘ der Fischer trieb und deshalb von denen vertrieben wurde. Wie aus ganz ähnlichen Gründen auch der Industrielle Krupp, aber erst nachdem er den Capresen ein Vermögen für den Bau einer Bergstraße gespendet hatte.

Alle würde Cyrill für die erhoffte große Inspiration ertragen, die trotz vieler Abenteuer nicht und nicht daher kommen will.

Schließlich geht er ihr sozusagen entgegen, hinauf zur ‚Villa Fersen‘, 300 Meter über dem Abgrund zum Meer gebaut, auch um eine wertvolle Urne abzuliefern, die ihm Hadrawa schon auf dem Dampfer nach Capri abluchsen wollte.

Cyrill ist der naiven Meinung, darin sei die Asche der englischen Malerin Miss Flannagan: stattdessen enthält sie eine Lieferung Kokain für Graf Fersen.

Obendrein wird sie Cyrill in der Caféteria auf der Piazza von dem schönen Jüngling Nino entwendet, dem Liebling des verrückten ‚Schnupfbaron‘.

Ihn will Cyrill nun endlich in seiner Villa zur Rede stellen.

Aber Fersen ist gar nicht mehr da, Cyrill dafür doppelt, nämlich einmal er selbst und einmal als Fersen in einem magischen Spiegel im Badezimmer.

Aber auch diese dramatische Begegnung bringt noch immer keine Inspiration.

Also brütet er in der Sonne am Abgrund der ‚Migliera‘ vor sich hin, faltet aus seiner mageren Partitur Papierschwalben, lässt sie herumfliegen –

und erhält überraschenden Gegenbesuch eines felinen Engels – Nino ? Hypathos ? Cyrill erlebt plötzlich Nietzsche als Stepptänzer, der einen anderen Insel - Philosophen dazu bringt, sein 40-jähriges ‚opus magnum‘ über die Klippen hinab ins Meer zu schleudern.

Er folgt seinen Partitur-Schwalben sogar zurück bis in die Antike, wo ein römischer Centurio ihn für einen Hebräer hält und ihm eine Wachstafel in die Hand drückt, die er nun raschest zum Turm der ‚Spiegel-Telegraphie‘ des Imperators bringen soll. Staunend liest der schon an vieles gewöhnte Komponist, dass Tiberius‘ an den Statthalter Pontius Pilatus schreibt, „er müsse sofort, auf Anraten meines Hof-Astrologen Trasillos, einen Gefangenen namens Jesus frei lassen, weil dieser der schon lange erwartete Erlöser der Alten Welt sei !“

Cyrill hüpft vor Freude, in Zukunft niemals Kirchensteuer zahlen zu müssen & wirft die Tafel in die Luft. Der geschäftstüchtige Archäologe Hadrawa fängt sie geschickt auf und will sie sofort seinem auf der Wachteljagd in Capri weilenden König als unbezahlbare Antiquität verscherbeln. Ferdinand II. hat aber nur seine Wachteln im Kopf und schießt ein Loch durch das sensationelle Fundstück, das den Lauf dieser Welt hätte wahrhaft verändern können.

Dich auch Cyrill entkommt seinem Schicksal nicht.

Der Hübschling Hypathos, der als Nino auf Capri lebt, obwohl ihn Tiberius hatte umbringen lassen, darf nun seinerseits sich ein rituelles Opfer als Wiedergutmachung wünschen.

Während eines Ballettabends, den Graf Fersen im Tempel der ‚Villa Torricelli‘ für bessere Touristen gibt, lockt er, Cyrills Neigung witternd, ihn vom Konzert hinweg zu den Meeresklippen. Verblendet vom Vollmond schwimmt Cyrill dem nackten Nino hinterher, der jedoch dem Ahnungslosen in der ‚Blauen Grotte‘ eine Falle stellt. Der Gott Neptun und seine Schergen mit Dreizack, fangen den lüsternen Fremdling in ihrem Netz.

Dann zerren sie ihn zur ‚Grotta Matromania‘ vor den Altar des Gottes Mitras.

Jetzt endlich fällt dem entnervten Komponisten die Schlussmusik der Symphonie ein, aber sie wird sein  Schwanengesang.

Als Kaiser Tiberius seinem Ex - Lover Hypathos gestattet, Cyrill zwischen Dolch (Tod) und Sonnenmaske (Leben) wählen zu lassen, ist der Künstler in Cyrill bereit, sein Leben für die Inspiration zu opfern. Der Schöngeist  Cyrill hingegen stellt sich am Abgrund in Pose, damit ihm der Dolchstoß in vornehmer Haltung verabreicht werde, was auch geschieht.

Das Opfer stürzt in den Orkus und die Insel Capri in die Vogelperspektive zurück. Nur Cyrills Symphonie wird weit über das Meer hinaus getragen - bis zum Ende.

 

‚PRIX ITALIA‘ FÜR BESTE MUSIKMONTAGE